DIE WUNDERKISTE:
DAS LINDLEY

Denise Omurca

Kein Hotel, sondern eine Gästegemeinschaft zu sein, ist das Motto der familiären Herbergen Lindenberg und Libertine. In der Lindleystraße entsteht jetzt das dritte Haus. Mit sieben Stockwerken und 100 Zimmern.

Wie wollen Sie das machen, Frau Omurca?

Denise Omurca lacht. „Die Idee Designobjekten, handgemachten Unikaten unserer Gästegemeinschaften ist nicht Intimität, sondern die der Heimat auf Zeit, ob für eine Nacht oder mehrere Monate.“ Die junge Geschäftsführerin sitzt auf einem riesigen blauen Sofa im Esssalon des Lindenberg im Frankfurter Ostend, genau einer jener Räume, in dem die Gäste Teil einer ungezwungenen Gästegemeinschaft sein können.

TAFELRUNDE: Der Esssalon im Lindenberg

HOME FAR AWAY FROM HOME

Auf das Lindenberg, eine 150 Jahre alte Stadtvilla mit 10 Zimmern für Kurz und Dauergäste in der Rückertstraße, folgte das Libertine mit 27 Zimmern in Alt-Sachsen-hausen. Auch hier wurde das Konzept der Gästegemeinschaft konsequent weitergeführt. „Den steifen Rezeptionisten haben wir unbrauchbar gemacht, ganz bewusst“, sagt Omurca. „Wir sind Gastgeber. Das heißt, wir bieten alles an, was man braucht, um sich wie zu Hause zu fühlen.“ Dafür gibt es in beiden Hotels neben Salons und offenen Wohnzimmern voll ausgestattete Küchen, in denen die Gäste zusammen kochen oder sich vom Hauskoch bewirten lassen können. Im Libertine sorgt sogar ein hoteleigener Tante-Emma-Laden für frische Lebensmittel. Im Lindenberg haben Dauergäste einen eigenen Kühlschrank in der Gemeinschaftsküche.

Die Bodenständigkeit des WG-Gedankens wird mit kosmopolitischem Interieur aufgebrochen. Wer eines der beiden Hotels betritt, taucht in eine Welt aus hochwertigen und Kunstgegenständen ein. Jetzt soll die Mischung aus Heimatgefühl und internationalem Flair noch einmal vervielfältigt werden: Auf dem ehemaligen Raab-Karcher-Gelände entsteht das dritte Projekt: das Lindley.

OFFENES HAUS

Die Eröffnung ist für 2018 geplant. Der Rohbau steht schon. Sieben Stockwerke hoch soll es werden und Platz für 100 Zimmer haben. Denise Omurca ist aufgeregt. Nicht der Größe wegen. Sondern weil im neuen Haus einiges passieren soll, um den Gästen den gewohnt unprätentiösen Lebensstil zu präsentieren. Viel darf Omurca noch nicht verraten, nur: „Die Idee der anderen Häuser werden wir auch in das Lindley transportieren. Dazu arbeiten wir wieder mit dem gleichen Team zusammen, das auch das Lindenberg und das Libertine umgesetzt hat.“ Fest steht, dass die Frontseite des Neubaus eine komplett verglaste Fassade haben wird, die Einblicke in die Gemeinschaftsräume gewährt.

ZWEITE HEIMAT: Die Zweizimmersuite LULU im Lindenberg.

Eine Art Schaufenster in das Leben im Hotel?

JEDE ETAGE WIRD INDIVIDUELL BESPIELT
„Wir nennen es Wunderkiste“ sagt Omurca. „Von außen schaut der Gast oder jeder, der daran vorbeiläuft, in die Etagen, die für die Gemeinschaftsräume vorgesehen sind, hinein. Und jede Etagewerden wir individuell bespielen.“

Als Denise Omurca nach dem Abitur und kaufmännischer Ausbildung nach Frankfurt zog, entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Gastronomie. Sie schmiss ihren Bürojob, machte eine Ausbildung zum Sommelière und landete 2012 als Geschäftsführerin im schmalsten Haus Frankfurts, in dem das Restaurant Seven Swans beheimatet ist, ebenso ein Projekt der Lindenberg-Macher und 2015 mit einem Michelin-Stern bedacht. Gastronomie ist immer noch eine Männerdomäne, das Weingeschäft sowieso. Ist ihr Weg für eine junge Frau ungewöhnlich? Nein, findet Denise Omurca. Sie sei wahrscheinlich auch die einzige türkische Sommelière weit und breit, die noch dazu Vegetarierin ist. Und so passe sie sehr gut in die Lindenberg-Häuser, wo selten etwas so ist, wie man es erwartet.

Das Lindley auf dem ehemaligen Raab-Karcher-Gelände in der Lindleystraße eröffnet voraussichtlich im Herbst 2018. Bis dahin lässt es sich auch hervorragend im Schwesterhotel auf der Eastside übernachten:

LINDENBERG
RÜCKERTSTRASSE 14
60314 FRANKFURT AM MAIN
WWW.DAS-LINDENBERG.DE